MANAGEMENT   16. JANUAR 2020

Mit technischen Lösungen den Bodendruck verringern

Jorgen Audenaert, Manager für die Segmente Ackerbau, Lohnunternehmen und Viehhaltung bei John Deere, spricht über die technischen Möglichkeiten zur Reduzierung von Bodenverdichtung.

Interview: Steven Roller

Mit leistungsstarken Maschinen kann die Feldarbeit in Zeiten mit optimalen Boden und Wetterbedingungen maximiert werden.

Mit leistungsstarken Maschinen kann die Feldarbeit in Zeiten mit optimalen Boden- und Wetterbedingungen maximiert werden.

Jorgen Audenaert, Manager für die Segmente Ackerbau, Lohnunternehmen und Viehhaltung bei John Deere.

Jorgen Audenaert, Manager für die Segmente Ackerbau, Lohnunternehmen und Viehhaltung bei John Deere.

Höhere Leistung bedeutet oft höheres Maschinengewicht und damit größerer Bodendruck. Wie kann man dieses Dilemma lösen?

Jorgen Audenaert: Der Einsatz größerer Maschinen führt nicht zwangsläufig zu einem höheren Verdichtungsrisiko. Die Achslast, die Kontaktfläche des Rads oder der Raupe sowie der Bodendruck pro Fläche sind anpassbare Variablen, um den Boden zu entlasten.  
Die Arbeitsbedingungen, insbesondere die Bodenfeuchtigkeit und -struktur, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Gerade leistungsstarke Geräte tragen zur Minderung des Verdichtungsrisikos bei, da die Arbeitsleistung in Phasen mit optimalen Boden- und Wetterbedingungen maximiert wird. 

Welche Lösungen stehen den Landwirten zur Verfügung? 

Die Wahl der richtigen Reifengröße und des richtigen Reifentyps spielt eine wichtige Rolle. Die Entwicklung von Reifen mit einem deutlich flexibleren Unterbau hat dazu geführt, dass die Reifenlast um bis zu 40 % höher sein kann, bei gleichem Reifendruck im Vergleich zu einer Standardbereifung. Oder andersherum gesagt, bei gleicher Last kann der Reifendruck um bis zu 40 % reduziert werden. Reifendruckregelanlagen sind eine gute Option für Maschinen, die häufig zwischen Straßenfahrten und Feldeinsatz wechseln.  

Reifendruckregelanlagen sind eine gute Option für Maschinen, die häufig zwischen Straßenfahrten und Feldeinsatz wechseln.

Auch die Ballastoptimierung zählt zu den wichtigen Einflussfaktoren. John Deere hat hier das EZ Ballast System für die 7R-Traktoren entwickelt, mit dem ein zusätzliches Ballastgewicht von bis zu 1,7 t in weniger als einer Minute aufgenommen oder abgelegt werden kann.

Und wie steht es mit Controlled Traffic Farming (CTF)? 

Diese Bearbeitungsmethode ist außerhalb Europas bereits weit verbreitet, vor allem in Australien, und gewinnt auch in der EU neue Anhänger hinzu. Derzeit werden in der EU rund 50.000 ha mit CTF bewirtschaftet, Großbritannien nimmt hier eine führende Rolle ein.  
Die Idee ist, die befahrene Fläche durch das Festlegen permanenter Fahrgassen so niedrig wie möglich zu halten. Dafür braucht es ein RTK-Lenksystem sowie die Standardisierung der Spur- und Arbeitsbreiten über die verschiedenen Produktionsphasen. Studien haben gezeigt, dass durch die reduzierte Verdichtung eine signifikante Ertragssteigerung möglich ist.  

Welche kommenden Innovationen sollte man im Auge behalten? 

Mit Hilfe neuer Gummiraupen-Systeme für Traktoren und Mähdrescher wird zum einen eine größtmögliche Kontaktfläche erreicht, zum anderen behalten die Maschinen die nötige Breite für den Straßentransport. Ein weiterer Punkt ist die Gewichtsreduzierung, beispielsweise der Einsatz von Kohlefaser bei der Herstellung von Spritzgestängen. Wir setzen dieses Material bei unseren selbstfahrenden Feldspritzen ein, um den Bodendruck bei Pflanzenschutzmaßnahmen zu verringern. 

Mit Hilfe neuer Gummiraupen-Systeme wird eine größtmögliche Kontaktfläche erreicht und die Maschinen behalten die nötige Breite für den Straßentransport.

Auch in der Erntelogistik gibt es interessante Entwicklungen. Durch die drahtlose Kommunikation von Maschine zu Maschine werden beispielsweise die Überfahrten auf dem Feld minimiert, da Abtank-Position und Tankfüllstand des Mähdreschers auf allen Maschinen angezeigt werden können.