Management   10. Juli 2018

Lohnunternehmer im Wandel: Vom Dreschen zum breiten Portfolio

Von der verlängerten Werkbank zum Dienstleister mit breitem Service-Angebot: Lohnunternehmer waren und sind ständig im Wandel, um sich den Anforderungen ihrer Kunden zu stellen. Wir haben uns angesehen, wohin die Reise der Lohnunternehmer geht.
Autoren: Katja Beth, Egbert Jonkheer, Adrien Leroy, César Marcos, Jerry Simonsson

Lohnunternehmer besprechen die anstehenden Aufgaben – ihr Tätigkeitsfeld ist im konstanten Wandel.

Lagebesprechung am Morgen: Eine enge Abstimmung untereinander erleichtert das effiziente Abarbeiten der zahlreichen Aufgaben.

Egal ob sie auf die Berufsbezeichnung Lohnunternehmer, Farm Contractor oder Entrepreneur hören: Als „Partner des Landwirts“ sind ländliche Dienstleistungsunternehmer ein fester Bestandteil der grünen Branche. Sie ermöglichen Landwirten den Einsatz moderner Technik, ohne dass diese selbst in Maschinen investieren müssen. Zudem helfen Lohnunternehmer, zeitliche Engpässe ihrer Kunden abzufedern. Viele Dienstleister sind aus einem landwirtschaftlichen Betrieb hervorgegangen oder bewirtschaften selbst noch einen.

Lohnunternehmen stellen sich immer breiter auf

Während in den sechziger Jahren der Mähdrusch die klassische Aufgabe eines Lohnunternehmers war, ist er mittlerweile viel breiter aufgestellt. So gehören Arbeiten wie Häckseln, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, Düngung, Rübenernte und das Ballen pressen zum Angebot – entscheidend ist immer die Nachfrage des Auftraggebers. Zunehmend beraten Lohnunternehmer auch zu den Themen Pflanzenschutz und Düngung.

Die meisten Lohnunternehmer sehen zusätzliche Arbeitsfelder als sinnvolle Ergänzung zur besseren Auslastung ihrer Maschinen und Mitarbeiter an.

Alfred Schmid, Geschäftsführer der LU Lohnunternehmer Service GmbH

Speziell in Dänemark und England zählt neben der Futterproduktion auch das Mischen zu den Dienstleistungsaufgaben – in Deutschland spielt Biogas eine wichtige Rolle. Daneben sind Lohnunternehmer in der Forstwirtschaft und im Kommunalbereich, sowie beim Wege- und Landschaftsbau tätig und erledigen zum Beispiel Erdarbeiten, Gewässerpflege und Transportaufträge. „Die meisten Lohnunternehmer sehen zusätzliche Arbeitsfelder als sinnvolle Ergänzung zur besseren Auslastung ihrer Maschinen und Mitarbeiter an“, sagt Alfred Schmid, Geschäftsführer der LU Lohnunternehmer Service GmbH. In Deutschland stammen zwei Drittel der Umsätze aus der Landwirtschaft.

Weniger Betriebe mit wachsender Nutzfläche

Die Veränderungen bei Lohnunternehmern spiegeln den Strukturwandel in der Landwirtschaft Ländern wider: Es gibt tendenziell weniger Betriebe, die immer professioneller sind und pro Unternehmen mehr Fläche abdecken. Dennoch zeigen sich deutliche Unterschiede in der Struktur von Landwirten und Lohnunternehmen in den einzelnen Ländern.

Nach Angaben des Verbandes Confederazione Agromeccanici e Agricoltori Italiani (C.A.I.) sind in Italien 15.000 Lohnunternehmen registriert. Diese Anzahl scheint recht hoch, wenn man sie beispielsweise mit Deutschland vergleicht, wo es laut Schätzung des Bundesverbandes der Lohnunternehmen (BLU) etwa 3.000 professionelle Dienstleister gibt. Das passt aber auch zur Anzahl der Bauernhöfe: In Italien sind es noch gut eine Million, während es in Deutschland knapp 268.000 gibt.

Größere Betriebe nehmen mehr Dienstleistungen in Anspruch

Häufig wird der Strukturwandel nur als Gefahr gesehen. Nach Ansicht von Gérard Napias, Vize-Präsident des europäischen Zentralverbands der Lohnunternehmer (CEETTAR), kann er auch eine Chance sein. Seine Erfahrungen zeigen, dass größer werdende landwirtschaftliche Betriebe stärker die Dienstleistung eines Lohnunternehmers in Anspruch nehmen.

Dabei weist Napias, der zudem Präsident des französischen Lohnunternehmerverbandes Fédération Nationale Entrepreneurs Des Territoires (FNEDT) ist, darauf hin, dass vor allem Landwirte mit großen Betrieben und einer vielfältigen Produktion Sicherheit und Professionalisierung suchen, wenn sie einen Lohnunternehmer beispielsweise mit Pflanzenschutzmaßnahmen beauftragen. Denn Landwirte wollen sich keine Sorgen machen, wenn eine Kontrolle ansteht, die möglicherweise Prämien relevant ist. Und Napias weiß, wovon er spricht. Zusammen mit seinem Sohn betreibt er ein Lohnunternehmen mit 19 Mitarbeitern im Südwesten Frankreichs.

Lohnunternehmer setzen auf moderne Technik.

Lohnunternehmer agieren immer professioneller am Markt. Moderne Technik unterstützt sie dabei, ihre anspruchsvollen Aufgaben zur Zufriedenheit der Kunden auszuführen.

Erfolgreiche Landwirte setzen auf Lohnunternehmer

Ähnlich positiv sieht auch Alfred Schmid den Strukturwandel: „Mit Wettbewerb leben Lohnunternehmer schon seit Jahrzehnten. Grundsätzlich bringt der Strukturwandel der Landwirtschaft ihnen Vorteile. Unsere Kernkunden sind, vielleicht abgesehen von den Ackerregionen, die erfolgreicheren Landwirte. Diese Kunden kennen ihre Kosten und investieren nicht leichtfertig in teure Technik. Oft haben sie keine Zeit, die Arbeiten selbst zu erledigen.“

Es wird wahrscheinlich einen Generationseffekt wie in der Landwirtschaft geben. Das heißt, die neue Generation modernisiert den Sektor, wo es noch nicht geschehen ist.

Eric Drésin, Direktor Europäischer Zentralverband der Lohnunternehmer

Tatsache ist auch: Wer als Lohnunternehmer mit den technischen Anforderungen mithalten will, muss zur Sicherstellung der Auslastung der heutigen Großmaschinen wachsen. CEETTAR-Direktor Eric Drésin ist überzeugt: „Es wird wahrscheinlich einen Generationseffekt wie in der Landwirtschaft geben. Das heißt, die neue Generation modernisiert den Sektor, wo es noch nicht geschehen ist.“

Mitarbeiter finden und halten

Heutzutage arbeiten Lohnunternehmer selten allein. Neben Aushilfen haben die „typischen Lohnis“ fünf bis zehn feste Mitarbeiter. Leistungsstarke Lohnunternehmer bewegen sich um die 20 Mitarbeiter. Damit sind die Dienstleister ein wichtiger Arbeitgeber auf dem Land.

Die Branche hat längst erkannt, dass sie normale Arbeitsbedingungen bzw. flexible Arbeitsmodelle schaffen muss, um langfristig qualifiziertes Personal zu finden und zu halten. Denn wer in der Lohnunternehmer-Branche arbeitet, muss im Vergleich zu anderen Berufen oft hart im Nehmen sein, wenn es um die Themen Überstunden, Nacht- und Wochenendarbeit, Urlaub und Bezahlung geht.

Fundierte Ausbildung für gestiegene Ansprüche

Da vor allem die Fahrer für die moderne Landtechnik immer bessere technische Kenntnisse benötigen und gleichzeitig stärker den Kontakt vor Ort mit dem Kunden pflegen, hat man sich gerade in Deutschland intensiv um die Aus- und Weiterbildung gekümmert. Seit 2005 gibt es zum Beispiel die dreijährige Ausbildung zur „Fachkraft Agrarservice“.

Sie umfasst die Bereiche Pflanzenproduktion, Landtechnik und Dienstleistung und entspricht damit den gehobenen Anforderungen der Kunden im Hinblick auf Professionalität und Qualität. In Deutschland erlernen derzeit 750 Auszubildende den begehrten Beruf – und es wären noch mehr, wenn es genügend Ausbildungsbetriebe geben würde.

Für Lohnunternehmer waren Flexibilität und Kundenorientierung also schon immer das A und O, um langfristig am Markt erfolgreich zu sein. Und auch in Zukunft gilt es, den Markt immer genau zu beobachten, um auf neue Entwicklungen reagieren zu können und den Betrieb entsprechend auszurichten.