Management   23. April 2018

Die digitale Revolution ist auf dem Acker angekommen

Satelliten, Wetterstationen, Maschinen mit integrierten Sensoren - die moderne Landwirtschaft erzeugt laufend riesige Datenmengen. Mit zwei Anwendungsbeispielen zeigen wir euch, wie sich diese Informationen gewinnbringend nutzen lassen. Autoren: Adrien Leroy, Jean-Claude Hiron, Olivia Cooper

Mit MyJohnDeere.com zur Digitalisierung der Landwirtschaft und zum Precision Farming

Mit der Online-Plattform MyJohnDeere.com rationalisieren wir den Zugang zu Daten und Lösungen der vernetzten Landwirtschaft und treiben die Harmonisierung voran.

Im August 2012 veröffentlichten wir auf unserem YouTube-Kanal ein Video, das einen Blick auf die Landwirtschaft von morgen werfen sollte – es zeigt den vernetzten Arbeitstag eines Landwirts.

Was damals nach Science-Fiction aussah, ist heute zum Großteil Alltag auf dem Acker. Die meisten der in dem Video gezeigten Technologien sind bereits Wirklichkeit oder im Begriff, es zu werden. Für die Analyse von Mais gibt es Datenbrillen, mit denen sich die Anzahl Körner eines Kolbens bzw. Schädlinge an der Pflanze zählen lassen. Online-Plattformen erleichtern die Kommunikation mit Landmaschinenhändlern oder Beratern und Datenverwaltung bei der Arbeitsplanung. Neben der Vernetzung verschiedener Akteure des Agrarsektors ermöglichen diese Plattformen, Arbeitseinsätze zu organisieren und Anweisungen an die Maschinen im Feld zu senden. Es wird immer deutlicher, dass die vernetzte Landwirtschaft langsam aber sicher Arbeitsabläufe und gewohnte Denkmuster umkrempelt.

Eine Plattform für die vernetzte Landwirtschaft

Mit der Einführung der Online-Plattform MyJohnDeere.com im Jahr 2013 haben wir den Zugang zu Daten und Lösungen der vernetzten Landwirtschaft rationalisiert und die Harmonisierung vorangetrieben. Das Prinzip ist einfach: die Telematiklösung JDLink zentralisiert alle Maschinen-, Anbaugeräte- und Positionsdaten sowie alle zur Dokumentation genutzten Schlagdaten (Aussaat, Düngung, Unkrautbekämpfung usw.).

Cloud Computing ermöglicht die vernetzte Landwirtschaft und bringt wichtige Informationen auf Tablet oder Smartphone

Die Daten werden drahtlos an Netzwerkserver übertragen, so dass die Nutzer über ihre „Einsatzzentrale“ des Webportals jederzeit und überall, vom PC, Smartphone oder Tablet auf ihre Daten zugreifen können. Auf diese Weise kann der Anwender beispielsweise auf einer Satellitenkarte den Standort seiner Maschinen auf dem Feld sehen, den Fortschritt der Arbeit überwachen, seine Fahrer dank Display-Fernzugriff bei der Bedienung und Einstellung der Maschinen unterstützen, Schlagdaten abrufen und Strecken planen.
Cloud Computing ist eine wichtige Grundlage der vernetzten Landwirtschaft. Beispiel dafür sind die Server der Online-Plattform MyJohnDeere.com. Der eigene PC, das Tablet oder Smartphone fungieren als Anzeige- und Eingabegeräte.

Damien Menuel ist Landwirt in Chapelaine in Frankreich

Landmaschinen-Einsatz optimieren, Flächenleistung steigern

Damien Menuel nutzt die Lösung seit ihrer Markteinführung für seinen 210 Hektar großen Betrieb nahe der französischen Gemeinde Chapelaine sowie für die 700 Hektar, die er im Auftrag anderer Betriebe bestellt. „Die fortlaufende Optimierung der Landmaschinen und Steigerung der Flächenleistung und Produktivität der Fahrer sind lauter gute Gründe für uns, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten“, lautet seine Begründung. Neben Kartoffeln und Zuckerrüben baut er Weizen, Winter- und Sommergerste, Raps, Sonnenblumen, sowie Mais an.
Für Damien Menuel liegt ein großer Nutzen von MyJohnDeere.com in der Steigerung der Flächenleistung und Produktivität der Fahrer.

Wir nutzen die Online-Plattform MyJohnDeere.com zur Erfassung von Daten für eine einfachere Rückverfolgbarkeit.

Damien Menuel

Dank Lenkautomatik mit StarFire Empfänger und RTK-Signal sowie der gespeicherten Schlagdaten lassen sich die Einsätze (Aussaat, Düngung und Behandlung) und Erträge in Echtzeit auf der Plattform visualisieren und speichern. „Vorrangiges Ziel ist es, die Daten für eine einfachere Rückverfolgbarkeit zu erfassen“, so Menuel. Sein Kunde McCain fordert beispielsweise sämtliche Informationen über die erstandenen Kartoffeln an: von den angebauten Zwischenkulturen bis hin zu den Lagerbedingungen nach der Ernte.

Arbeitsabläufe als Lohnunternehmer besser organisieren

Lohnunternehmer Holger Schier nutzt MyJohnDeere.com ebenfalls intensiv. Das im sächsischen Glaubitz gelegene Unternehmen AIS Schier kann 10 bis 20 neue Kunden pro Jahr für sich verzeichnen. Das sind bislang etwa 400 Betriebe, die insgesamt rund 270.000 Hektar Anbaufläche umfassen.

Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage gilt es, den Kunden absolute Zuverlässigkeit zu bieten.

Holger Schier

Das Lohnunternehmen hat sich auf die Ausbringung von Grunddünger und Bodenzusätzen spezialisiert: 95% der Dienstleistungen betreffen die teilflächenspezifische Ausbringung von Phosphor, Kalium, Magnesium, sowie von Kalk. Für die Bodenbeprobung und Nährstoffkartierung verfügt AIS Schier über sechs mit GPS-Technik und Hohlmeißelbohrer ausgerüstete Geländewagen. Die Bodenproben werden im Labor untersucht und die Ergebnisse zusammen mit den Landwirten ausgewertet, um eine Düngestrategie auszuarbeiten.

Lohnunternehmer Holger Schier von AIS Schier

Anschließend erstellt AIS Schier die Applikationskarten und übernimmt in den meisten Fällen auch die Ausbringung. Holger Schier: „Es ist wichtig, teilflächenbezogen zu arbeiten, um die hochproduktiven Zonen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Die Bereiche mit geringerem Wuchspotenzial beziehungsweise mit bereits guter Nährstoffversorgung werden entsprechend weniger oder gar nicht gedüngt.“
Lohnunternehmer Holger Schier arbeitet für etwa 400 Betriebe, die insgesamt rund 270.000 Hektar Anbaufläche umfassen.

Drahtlose Übertragung statt aufwändiger Speicherkarten

„Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage gilt es, Kunden absolute Zuverlässigkeit zu bieten“, betont der Lohnunternehmer. Für Holger Schier basiert herausragender Service auf einer möglichst optimalen Arbeitsorganisation, was ihn veranlasst hat, die Plattform MyJohnDeere.com zu nutzen. „Früher verwendeten wir Speicherkarten mit den aufgezeichneten Streu- und Applikationskarten, die wir morgens den Fahrern mitgaben“, erläutert Martin Sczepanski, der die Arbeitsabläufe über die Online-Plattform koordiniert. „Gab es im Laufe des Tages Änderungen des Arbeitsplans, musste man telefonieren oder sogar mit dem Auto hinaus fahren, wenn der Fahrer nicht die erforderlichen Daten vor Ort hatte. Heute erfolgt alles per drahtloser Datenübertragung, was unsere Arbeit deutlich erleichtert.“

Auch Mitarbeiter benötigen im Zuge der Digitalisierung neue technische Kompetenzen

Fahrer Felix Lehmann am Steuer eines John Deere 8270R. Die zunehmende Automatisierung des Agrarsektors erfordert von den Mitarbeitern nicht weniger, sondern mehr technische Kompetenzen.

Auswertung der Daten bietet Potenzial, Speicherung stellt Herausforderungen

In der verbesserten Auswertung der Daten steckt großes Potenzial. Die damit verbundene Bündelung dieser teilweise sensiblen Daten löst aber auch Besorgnis bezüglich der Datensicherheit aus. Wem gehören welche Daten und wo sollen die gewaltigen Datenmengen gespeichert werden? Wer hat Zugriff auf welche Daten, und mit wem können und sollen sie geteilt werden?

Die Daten gehören den Kunden und sie entscheiden, wie damit umgegangen werden soll.

Christoph Wigger, John Deere

Als wichtiger Partner für viele Landwirte und Lohnunternehmer auf dem Weg zu einer präziseren und nachhaltigeren Landwirtschaft, beziehen wir bereits heute eine klare Position dazu: „Die Daten gehören den Kunden und sie entscheiden, wie damit umgegangen werden soll. Mit unserer Plattform MyJohnDeere.com bieten wir ihnen eine ideale Möglichkeit, ihre Daten zentral zu verwalten, zu analysieren und zu teilen. Vertrauen ist die wichtigste Basis für diese Dienstleistung. Deshalb folgt John Deere bei Datenschutz und Datensicherheit höchsten Standards“, erläutert Christoph Wigger, unser Vice President für Vertrieb und Marketing für Europa, GUS, Naher und Mittlerer Osten sowie Nordafrika.

Gleichgewicht zwischen Datenaustausch und Datenschutz

Für die Zukunft muss ein Gleichgewicht zwischen Datenaustausch und Datenschutz gefunden werden, zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Das amerikanische Netzwerk „Farmers Business Network“ ist ein Beispiel, wie Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter funktionieren kann. Die Netzwerker haben über ein Cloudsystem Zugriff auf eine riesige Fülle von Agrardaten, die sie zur Optimierung ihrer Betriebe nutzen können. Hierbei handelt es sich um ein Gemeinschaftskonzept zur Zusammenführung und Aufbereitung anonymisierter Daten. Diese sollen dann möglichst vielen Anwendern helfen, bereits bewährte Verfahren anzuwenden und weiter zu verbessern.

Nur mit dieser Art der Zusammenarbeit und dem Einbringen verschiedener Fähigkeiten wird sich die große Aufgabe der zuverlässigen Versorgung der Menschheit mit Nahrungsmitteln auch in Zukunft stemmen lassen.