Management   12. September 2019

„Die guten Leute sind heiß begehrt.“

Auch bei Lohnunternehmern macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Dr. Martin Wesenberg, Geschäftsführer des Lohnunternehmerverbands e.V., erzählt im Interview, woran das liegt, und was man dagegen tun kann. 

Ausbildung Fachkraft Agrarservice, Bundesverband, Feldheld

Der Ausbildungsberuf zum Lohnunternehmer heißt seit 2005 Fachkraft Agrarservice. Der Bundesverband Lohnunternehmen e.V. ist stets auf der Suche nach dem Feldheld.

Herr Wesenberg, was muss eine Fachkraft für Lohnunternehmen mitbringen?

Dr. Wesenberg: Eine gute Fachkraft kennt sich bei Pflanzenbau und Landtechnik bestens aus und geht darüber hinaus souverän mit Kunden um. Das Berufsbild „Fachkraft Agrarservice“ ist genau auf die Bedürfnisse der Lohnunternehmen zugeschnitten. Natürlich kann auch ein Quereinsteiger oder ein so genannter „ungelernter Arbeiter“ ein sehr guter Facharbeiter sein. Durch Berufserfahrung entsteht wertvolles Wissen, das in einem gut funktionierenden Team unter den Kollegen weitergegeben wird. Diese guten Leute sind bei den Lohnunternehmen heiß begehrt.

 

Warum herrscht aktuell ein Mangel an diesen Fachleuten?

Zurzeit bilden die Betriebe über 700 Fachkräfte im Agrarservice aus. Im nächsten Jahr werden rund 230 qualifizierte Leute ihre Ausbildung abschließen. Der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs ist bei den 3.000 Lohnunternehmen in Deutschland, mit insgesamt etwa 30.000 festen Mitarbeitern, jedoch deutlich höher. So ziemlich jedes Lohnunternehmen ist gerade auf der Suche nach guten Leuten. Ein Grund ist die hohe Fluktuation: Es kommt häufig vor, dass Fachkräfte nach ein paar Jahren nicht nur den Arbeitgeber, sondern auch gleich die Branche wechseln.

 

Warum ist es für die Lohnunternehmen so schwierig, Mitarbeiter langfristig an sich zu binden?

Nun ja, Menschen ändern sich. Jemand, der mit 17 oder 18 seinen Berufswunsch definiert, entwickelt sich persönlich weiter und kann zehn Jahre später durchaus andere berufliche Pläne schmieden. Es gibt heutzutage am Arbeitsmarkt mehr Bewegung. Oftmals sind unsere Leute dann auch schon lange genug dabei, um zu wissen, dass sprichwörtlich nicht jeden Tag die Sonne scheint. Sobald die Mitarbeiter eine eigene Familie gründen, steht der Wunsch nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Mittelpunkt, sprich: zuverlässige Arbeitszeiten und regelmäßige Wochenenden.

 

Was können die Unternehmen dafür tun?

Zunächst einmal müssen sie die motivierten Mitarbeiter erkennen und fördern. Hier sind die Betriebe gefordert, eine entsprechende berufliche Entwicklung zu ermöglichen, mehr Verantwortung zu übertragen und dadurch abwechslungsreiche Aufgaben zu bieten. Zum Beispiel kann jede Fachkraft Agrarservice später die Weiterbildung zum Agrarservicemeister machen und Aufgaben in der Betriebsleitung übernehmen. Dann ist uns natürlich eine faire Bezahlung nach dem Lohntarifvertrag wichtig. Aktuell regeln da Angebot und Nachfrage die Gehälter. Darüber hinaus wollen wir in den Einsatzplänen mehr Rücksicht auf die familiäre Situation und die Freizeitgestaltung unserer Mitarbeiter nehmen.

 

Wie sind die Aussichten?

Glücklicherweise ist die Begeisterung für Landtechnik bei den jungen Leuten nach wie vor groß. Das ist ein starker Magnet. Die Branche entwickelt sich weiter und die Aufgaben werden technisch immer anspruchsvoller. Ich kann angehenden Fachkräften versprechen, dass sie einen sehr spannenden und interessanten Beruf erlernen, der die allerbeste Basis für viele Herausforderungen des Arbeitslebens ist.

Dr. Martin Wesenberg, Geschäftsführer Bundesverbandes Lohnunternehmen e.V. (BLU)

Dr. Martin Wesenberg (53) ist gelernter Landwirt, studierter Agrarökonom und seit fünf Jahren der Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnunternehmen e.V. (BLU).

Nachwuchs für Lohnunternehmen – Zahlen und Fakten

In Deutschland gibt es rund 3.000 professionelle Lohnunternehmen. Davon sind etwa zwei Drittel Mitglied im Lohnunternehmerverband. Insgesamt beschäftigen sie mehr als 30.000 Mitarbeiter. Zurzeit sind in etwa 500 anerkannten Ausbildungsbetrieben rund 700 Lehrlinge in drei Ausbildungsjahren registriert. Jährlich starten also durchschnittlich etwa 230 ausgebildete Fachkräfte Agrarservice ins Arbeitsleben. Seit 2010 wurden fast 300 Agrarservicemeister ausgebildet. Ab 2016 erwartet der BLU einen Zuwachs von bis zu 50 weiteren Meistern pro Jahr.