LAND UND LEBEN   02. April 2020

Vom Simulator ins Forschungszentrum

Anfang März lud das John Deere European Technology Innovation Center das JD Farming Simulator League (FSL) Team für einen Blick hinter die Kulissen ein. Ein Erfahrungsbericht.

Text: Benedikt Dahme und Markus Steinmüller
Fotos: Felix Kiefer und Markus Steinmüller

Markus, Fabio und Benedikt freuen sich über einen Besuch im John Deere European Technology Innovation Center, Kaiserslautern

Markus, Fabio und Benedikt freuen sich über einen Besuch im John Deere European Technology Innovation Center, Kaiserslautern

Es ist wieder so weit, früh morgens klingelt der Wecker und wir machen uns mit dem John Deere Gaming Team erneut auf eine Reise. Diesmal hat uns das John Deere European Technology Innovation Center nach Kaiserslautern eingeladen. Voller Vorfreude rätseln Fabio (FlexoFabio), Markus (gerch) und ich (sippi3), während der kompletten Autofahrt was uns wohl erwartet.

Simulation trifft Landwirtschaft

In Kaiserslautern angekommen, begrüßten uns die Mitarbeiter von John Deere und hatten direkt viele Fragen. So kamen wir schnell in ein lockeres und interessantes Gespräch. Vor allem ging es um den Unterschied zwischen dem Spielsystem der Farming Simulator League (FSL), das auf Spannung und Wettkampf getrimmt ist, und dem normalen Landwirtschaftssimulator, in dem man durchaus auch einen ganzen Abend lang ein Feld grubbern kann.

 Gamer und Landwirte kommen zusammen, um zu tüfteln.

Gamer und Landwirte kommen zusammen, um zu tüfteln.

Somit näherten wir uns dem eigentlichen Grund unseres Besuchs: Als “Zocker” und „Spielekinder“, die viel Zeit mit der Simulation der Landwirtschaft verbringen, sollten wir mit den Kollegen in Kaiserslautern in der echten Landwirtschaft ein paar Dinge probieren. Denn die Mitarbeiter vor Ort entwickeln, was die moderne Präzisionslandwirtschaft braucht. Vom StarFire GPS Empfänger,der alle Arten von Maschinen, vollkommen automatisch und zentimetergenau lenken kann, über diverse Apps, die dem Landwirt die Arbeit erleichtern, bis hin zum “HarvestLab” NIR Sensor, einer unscheinbaren Box, die verschiedene Inhaltsstoffe von Erntegut oder Gülle messen kann.

Vor Begeisterung wurden uns die Augen groß und die Hände schwitzig

Klingt erstmal unspektakulär, aber als wir die Präzisionslandwirtschaft in einem 600 PS starken Mähdrescher in Aktion sahen, wurden uns die Augen vor Begeisterung groß und die Hände schwitzig. Der Mähdrescher lenkt automatisch und verschenkt dabei kein Weizenkorn. Der Fahrer bekommt die Aufträge über das nächste Feld, inklusive Routen und passend generierter Fahrspuren automatisch auf das Bedienterminal geschickt und die Maschine dokumentiert, an welchem Fleck des Ackers der Ertrag besonders gut ist oder wo nächstes Jahr Dünger eingespart werden kann. Das ist faszinierend!

Und all das konnten uns die Mitarbeiter von John Deere in Kaiserslautern natürlich ganz genau erklären, denn sie haben diese Technik selbst entwickelt. Kaiserslautern ist einer von mehreren John Deere Forschungs- und Entwicklungsstandorten auf der ganzen Welt. Der Standort in Kaiserslautern setzt Lösungen für den europäischen Markt um.

Ein Team aus Nerd-Landwirten

Um das zu meistern, hat sich John Deere ein schlagkräftiges Team zusammengestellt. Ein Team, das die Landwirte wohl als Nerds betrachten würden, während die richtigen Nerds denken, dass dies Landwirte sind. Berit arbeitet zum Beispiel in der Vorentwicklung, ist also mit den ganz abgefahrenen Ideen beschäftigt. Torsten entwickelt mit seinem Team Software und bringt für spontane Tests auch mal von der heimischen Landwirtschaft Gülle mit, um sie im HarvestLab zu untersuchen. Felix und Marcel kümmern sich um das User Interface der Maschinen-Displays und Apps, Peter verantwortet mit seinem Marketing-Team Apps und Cloudlösungen.

Am zweiten Tag ging es gemeinsam mit den Kollegen von John Deere zur Lehr- und Versuchsanstalt Neumühle. Dort angekommen wurden wir von Christoph begrüßt. Fabio stellte sofort fest “Du bist doch der Christoph von den Pfälzer Agrarvideos!” … und natürlich war er das.

 

Benedikt ist startklar. Das Besondere: Er bedient eine reale Kabine.

Benedikt ist startklar. Das Besondere: Er bedient eine reale Kabine.

Nach einer kleinen Einweisung sollten wir im John Deere “Operations Center” auf MyJohnDeere.com selbst ein Feld anlegen, einen Kurs generieren, einen Auftrag erstellen und ihn an den Schlepper senden. Für Landwirte ist der Vorgang oftmals etwas gewöhnungsbedürftig und fremd, daher war es für Peter und Felix interessant, wie wir mit unserer Landwirtschafts-Simulator-Perspektive die Sache angehen würden.

Als erfahrene Spieler und Modder hat dieser Arbeitsschritt Ähnlichkeit mit dem Mapbau und der Felderstellung im Simulator - im Speziellen ist es mit dem Giants-Editor vergleichbar. Wir hatten den Dreh schnell raus und konnten in Sachen Usability das ein oder andere Feedback liefern. Felix war erstaunt, wie unterschiedlich die Herangehensweise von uns Simulator-Spielern war.

Das Feld und die A-B-Linie waren also erstellt und wir machten uns auf den Weg zum Schlepper. Draußen angekommen standen ein John Deere 6135R und ein 6250R bereit. Zwei tolle Maschinen!

Mit Hilfe von Christoph konnten wir den Kurs auf das Bedienterminal des Traktors importieren und waren startklar. Leider duften wir nicht auf das Feld, da es zu viel geregnet hatte. So testeten wir unseren Kurs auf dem Parkplatz: Echt verrückt, wenn der Schlepper wie von Geisterhand fährt und lenkt. Die gesparte Zeit konnten wir nutzen, um den Kuhstall der Neumühle zu besichtigen. Hier leben etwa 150 Kühe unter modernen Haltungsbedingungen. Sie werden in abgetrennten Herden gehalten und sind Teil verschiedener Forschungsprogramme. Eines geht zum Beispiel der Frage nach, ob eine bestimmte Fütterung Auswirkung auf ihre Milchleistung hat. 

Im realen Leben, kann es auch mal Regen geben.

Im realen Leben, kann es auch mal Regen geben. In diesem Fall hat er uns die Pläne verhagelt, mit dem Traktor aufs Feld zu fahren.

Die Zeit verging wie im Flug und nach zwei spannenden Tagen, voller neuer Einblicke mussten wir leider schon wieder die Heimreise antreten. Es hat Riesen Spaß gemacht, wir melden uns, wenn der Wecker erneut klingelt.
- Nothing runs like a Deere!

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