Im Einsatz   16. November 2018

Herausforderung Bio

Gibt es eine Nische für Lohnunternehmen im Bio-Bereich? Unsere Kollegin Melanie Jenkins hat sich in England bei Lohnunternehmern umgehört, die für Kunden aus der Bio-Branche arbeiten. Lest hier, auf was es dabei ankommt.

Für Bio-Höfe ist Sauberkeit das A und O. Es ist wichtig, dass kein Unkraut oder konventionelles Saatgut von einem anderen Betrieb eingeschleppt wird.

Für Bio-Höfe ist Sauberkeit das A und O. Es ist wichtig, dass kein Unkraut oder konventionelles Saatgut von einem anderen Betrieb eingeschleppt wird.

                                                                                                                                          

Alle Maschinen werden vor dem Einsatz gereinigt. Für Bio-Betriebe ist Sauberkeit das A und O.

Jerry Alford
Soil Association

Bio-Landwirte müssen besonders auf Details achten, um ihre Kulturen entsprechend den geforderten Richtlinien anzubauen. Dadurch, dass sie keine anorganischen Dünger verwenden dürfen, ist es schwieriger, die gewünschten Erträge zu erreichen und Unkräuter zu kontrollieren. Können Lohnunternehmer also einen maßgeschneiderten Service anbieten, um diese Bedürfnisse zu erfüllen?

„Es mag verwunderlich klingen, aber in Großbritannien gibt es keine spezialisierten Bio-Lohnunternehmen“, sagt Jerry Alford von der Soil Association. „Die meisten bieten die gleichen Dienstleistungen sowohl für Kunden aus der konventionellen als auch aus der biologischen Landwirtschaft an. Es gibt keine festen Regeln, aber der Landwirt geht natürlich davon aus, dass der Lohnunternehmer seine Verpflichtung zur ökologischen Bewirtschaftung einhält.“

Sauberkeit
„Es wird erwartet, dass alle Lohnunternehmer die Maschinen beim Wechsel von einem Betrieb zum nächsten reinigen, um das Risiko der Übertragung von bodenbürtigen Krankheiten und Samenmaterial zu minimieren. Aber das gilt sowohl für Bio- als auch für konventionelle Betriebe“, fügt Alford hinzu.

„Die Bodenbearbeitung ist bei Bio-Betrieben weitgehend identisch zu den Maßnahmen bei konventionell arbeitenden Höfen, kann aber später in der Saison erfolgen, um den Unkrautdruck zu verringern“, erklärt Richard Bowe von FGS Agri. Das Unternehmen bearbeitet 161 ha an Bio-Flächen sowie eine größere konventionelle Anbaufläche in den Grafschaften Kent und Sussex im Südosten Englands.

„Alle Maschinen werden vor dem Einsatz gereinigt“, sagt Bowe. „Für Bio-Höfe ist Sauberkeit das A und O. Es ist wichtig, dass kein Unkraut in einen anderen Betrieb eingeschleppt wird, also säubern wir die Ballenpresse nach jedem Einsatz mit Druckluft und Wasser.“

Lohnunternehmer James Lee achtet bei der Bodenbearbeitung auf den richtigen Reifendruck.

Lohnunternehmer James Lee achtet bei der Bodenbearbeitung auf den richtigen Reifendruck.

Die Vermeidung von Bodenverdichtung ist gerade für Bio-Landwirte sehr wichtig.

James Lee
Lee Farm Services in Devon

Feldarbeit
„Bei der Flächenbearbeitung haben wir als Lohnunternehmer wesentlich mehr Aufwand“, erläutert Charles Baker vom Lohnunternehmen RC Baker in Oxfordshire. „Manche Felder müssen wir dreimal bearbeiten, um das aufgelaufene Unkraut zu bekämpfen, bevor wir aussäen können. Die Bewirtschaftung ist also intensiver, der Maschinen-Fuhrpark ist aber derselbe.“

Laut Lohnunternehmer James Lee von Lee Farm Services in Devon ist die Vermeidung von Bodenverdichtung gerade für Bio-Landwirte sehr wichtig. „Der richtige Reifendruck bei Maschinen und Traktoren trägt zu einem guten Wachstum der Pflanzen bei. Dies ist für alle Landwirte vorteilhaft, aber am meisten profitieren davon die Bio-Landwirte, da sie ja keinen Dünger einsetzen können, um Wachstumsprobleme zu vermeiden.“

 Charles Baker, RC Baker, betont, dass der Aufwand bei der Flächenbearbeitung im Bio-Anbau für den Lohnunternehmer deutlich höher ist.

Charles Baker, RC Baker, betont, dass der Aufwand bei der Flächenbearbeitung im Bio-Anbau für den Lohnunternehmer deutlich höher ist.

Die Bewirtschaftung ist intensiver, der Maschinen-Fuhrpark ist aber derselbe bei Bio-Betrieben wie bei konventionellen Betrieben.

Charles Baker
Lohnunternehmen RC Baker

Unkrautbekämpfung
Da kein chemischer Pflanzenschutz angewendet werden kann, ist die Unkrautbekämpfung eine weitere Herausforderung. FGS Agri bietet seinen Bio-Landwirten daher besondere Unkrautbeseitigungsdienste an, um Disteln und Brennnesseln auf der Weide in Schach zu halten. „Es geht darum, mit den Landwirten zusammenzuarbeiten, um den richtigen Service anbieten zu können“, sagt Bowe.

Natürlich ist die pünktliche Ausführung der Arbeit von entscheidender Bedeutung. „Gute Kommunikation ist hier entscheidend“, fügt er hinzu. „Wir sprechen täglich miteinander, um optimale Abläufe sicherzustellen.“

Für Richard Bowe vom Lohnunternehmen FGS Agri, ist die Kommunikation mit seinen Kunden besonders wichtig, um immer den passenden Service bieten zu können.

Für Richard Bowe vom Lohnunternehmen FGS Agri, ist die Kommunikation mit seinen Kunden besonders wichtig, um immer den passenden Service bieten zu können.

Gute Kommunikation ist hier entscheidend. Es geht darum, mit den Landwirten zusammenzuarbeiten, um den richtigen Service anbieten zu können.

Lohnunternehmer Richard Bowe
FGS Agri

Kosten
Wenn es um die Kosten geht, berechnen die meisten Lohnunternehmer die gleichen Gebühren pro Stunde oder pro Auftrag für Dienstleistungen in der ökologischen sowie konventionellen Landwirtschaft. „Obwohl also zusätzlicher Aufwand für Bodenbearbeitung und Silage erforderlich ist, sind die Gesamtkosten nahezu gleich“, sagt Charles Baker. „Bio-Betriebe sparen die Kosten für Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmaßnahmen ein, die konventionelle Betriebe haben.“

Es scheint zwar wenig Bedarf zu geben, sich auf Bio-Lohnunternehmen zu spezialisieren, aber es bieten sich durchaus Gelegenheiten durch eine zusätzliche Ausrichtung auf Bio-Betriebe. „Man kann sein Lohnunternehmen so aufstellen, dass man beide Kundensegmente bedienen kann“, sagt James Lee. „Und ich denke, konventionelle Landwirte können einiges von den Arbeitsmethoden bei Bio-Betrieben in Bezug auf die Bodengesundheit lernen.

Umstellung auf Bio-Anbau
George Brown bewirtschaftet rund 240 Hektar auf der Priors Farm, in Newbury, Berkshire, auf denen er Sommer-Hafer, Sommergerste und Futtergras anbaut. Momentan stellt er seinen Betrieb auf ökologischen Landbau um. „Die größte Herausforderung bei der Umstellung auf Bio-Anbau ist die Unkrautbekämpfung, und ich würde lieber in entsprechende Maschinen investieren, als zuzulassen, dass das Unkraut die Oberhand gewinnt“, sagt Brown. Er hat bereits überlegt, Geräte mit anderen Landwirten gemeinsam zu nutzen, um Anschaffungen wirtschaftlicher zu machen.

„Es gibt inzwischen fantastische Maschinen, und es gibt entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten", fügt er hinzu. „Ich möchte auch in Zukunft meine Erträge halten und die ökologische Produktion zukunftsfähig machen. Je weniger chemische Pflanzenschutzmaßnahmen erlaubt sind, desto mehr Landwirte, auch in konventionellen Betrieben, könnten sich Gedanken darüber machen, in diese Maschinen zu investieren.“