Im Einsatz   19. Juni 2018

Christoph Kollmer: „Der erste Schnitt ist die stressigste Zeit des Jahres.“

Christoph Kollmer lebt und arbeitet im Zellertal, im Bayerischen Wald. Er hat einen Mutterkuhbetrieb mit aktuell rund 40 Tieren (Fleckvieh mit Limousin) und bewirtschaftet gemeinsam mit seinem Vater 80 ha Grünland, 15 ha Ackerfläche und knapp 100 ha Wald. Außerdem ist er begeisterter Häckslerfahrer und arbeitet bei dem Lohnunternehmen Augustin in Arnbruck. Neben den Stunden auf dem Feldhäcksler bei der Ernte erledigt er auch alle anderen Arbeiten, die anfallen, wie Gülle ausbringen, mähen, Transporte oder Silo verdichten. Und dann findet er auch noch Zeit, auf seinem YouTube-Kanal eine große Community für die Landwirtschaft zu begeistern. Für uns vom JD Blog Grund genug, Christoph einmal zu interviewen und ihn und seine Arbeit hier vorzustellen.

Christoph Kollmer, Landwirt und Häckslerfahrer im Bayerischen Wald.

Mit dem ersten Schnitt seid ihr durch, wie ist es denn dieses Jahr gelaufen?

Heuer gab es bei der ersten Grasernte eigentlich keine Probleme. Die Maschinen wurden vor dem Einwintern und vor der Ernte nochmal durchgecheckt, alle Schmierstellen mit Fett versorgt und alle Messer sorgfältig geschliffen. So konnten wir direkt loslegen und bei unseren Kunden eine sehr gute Futterqualität ernten – ohne Standzeiten!

Wann ging es denn los dieses Jahr?

Wir waren am 30. April das erste Mal mit dem Häcksler unterwegs, um hauptsächlich Gras, teilweise auch Grünroggen und Luzerne zu ernten.

Wie ist denn das Zeitfenster für den ersten Schnitt normalerweise bei euch in der Region?

Der Schnittzeitpunkt liegt hier im Bayerischen Wald eigentlich immer um den 1.Mai, plus-minus 10 Tage, je nach Wetterlage.

Der neue 6250R von John Deere im Grünroggen.

Der neue 6250R-Schlepper von John Deere beim ersten Schnitt im Grünroggen.

Gab es dieses Jahr irgendwelche Besonderheiten?

Durch die lange Wärmeperiode in diesem Frühjahr war es einfacher als sonst, die Kunden einzuteilen und die Flächen abzuarbeiten. Da mussten wir dann auch nicht so viele Überstunden machen. Dank des trockenen Wetters haben wir das Futter meist ohne Flurschaden nach Hause gebracht, allerdings konnte man das auch häufiger am niedrigeren Ertrag sehen.

Außerdem haben wir heuer ein neues Mähwerk von Krone mit Aufbereiter und Schwadzusammenführung bekommen. Dieses machte am John Deere 6175R eine gute Figur. Zusammen mit AutoTrac macht das Arbeiten mit der Kombination sehr viel Spaß.

Welche Betriebsarten und -größen gibt es bei euch in der Region?

Wegen der eingeschränkten Flächengrößen gibt es nur wenige Großbetriebe, mehr mittlere und kleine Betriebe, mit etwa 20-80 Stück Milchkühen. Aufgrund der aktuellen Lage sieht man aber ein großes Hofsterben, große Betriebe wachsen und die kleinen müssen weichen, da sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Auch sind in der Region bereits viele auf Bio oder von Milchkühen auf Mutterkuh bzw. Bullenmast umgestiegen. Schwerpunkt liegt bei uns generell im Grünland, dazu Ackerbau mit Mais als Löwenanteil, teilweise Getreide. Erst in den Nachbarregionen der Oberpfalz oder im Gäuboden gibt es mehr Feldfrüchte wie Weizen, Gerste, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben.

In der Region sind viele auf Bio oder von Milchkühen auf Mutterkuh bzw. Bullenmast umgestiegen.

Welche Maschinen benutzt du auf deinem eigenen Betrieb bzw. im Lohnunternehmen?

Zuhause haben wir eher kleinere Maschinen, da wir selbst nicht so viel Fläche besitzen. Wir haben nur Anbaugeräte für die Silage, den Rest mieten oder leihen wir uns, da wir nur wenig Ackerbau haben. Unser größter Schlepper ist ein MBtrac 1100 mit etwa 170 PS. Im Lohnunternehmen fahren wir ausschließlich John Deere Schlepper. Ein neuer 6155R hat unseren alten 6145R abgelöst, der neue 6175R ist für den alten 6155R gekommen. Der 6195R wird wohl nächstes Jahr verhandelt. Unser Feldhäcksler ist ein 8500i, ausgestattet mit 3 m PickUp und einem 10-Reihen Maisgebiss von Kemper. Die Anbaugeräte sowie Häcksel- und Ladewagen haben wir von Krone.

John Deere Traktoren und Feldhäcksler im Einsatz bei der Grasernte.

John Deere Traktoren und der Feldhäcksler 8500i im Einsatz bei der Grasernte im Bayerischen Wald.

Wie viel Hektar hast du denn dieses Jahr geerntet?

Etwa 350 ha Gras und dazu 90 ha Grünroggen.

Ist das über die letzten Jahre mehr oder weniger geworden?

Es ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, die Tendenz zum Grashäckseln steigt jährlich.

Wie ist das Verhältnis häckseln zu Heu bei euch?

In meiner Region haben wir ja eine große Spannbreite bei der Betriebsgröße, daher gibt es bei der Ernte sehr große Unterschiede. Große Betriebe oder Biohöfe, ungefähr 25 %, setzen auf Grashäckseln, mittlere Betriebe dabei auf Ladewagensilage, ich würde sagen, das sind rund 40%. Die restlichen, kleineren Betriebe machen Silageballen. Heuballen machen die meisten Betriebe auf Nebenflächen, die dann nur zwei Mal im Jahr gemäht werden.

Was gefällt dir denn am besten an der Gras-Ernte?

Bei unserer bergigen Landschaft ist keine Fläche wie die andere, da wird es auf der Maschine nie langweilig. Außerdem sind wir im Lohnunternehmen ein eingespieltes Team, wo wir viel Blödsinn machen, lachen und zusammenhalten. Auch privat sind wir gute Freunde, die oftmals was zusammen unternehmen oder abends mal was trinken gehen.

Der MBtrac 1100 ist der größte Schlepper auf dem Hof von Christoph Kollmer.

Der MBtrac 1100 mit etwa 170 PS ist der größte Schlepper auf dem Hof von Christoph Kollmer.

Bei unserer bergigen Landschaft ist keine Fläche wie die andere, da wird es auf der Maschine nie langweilig.

Wie viele Stunden bist du im Durchschnitt auf der Maschine?

Zu den Stoßzeiten sind es durchschnittlich schon 14 Stunden am Tag.

Habt ihr noch andere Arbeiten durchgeführt, neben der Grasernte?

Im Lohnunternehmen haben wir auch Erdmulden, die zu dem Zeitpunkt im Einsatz waren. Außerdem überschneidet sich die Ernte jedes Jahr mit der Maissaat und der Gülleausbringung, da muss dann einiges disponiert werden. Bei uns kommt es häufiger vor, dass Fahrer mit ihren eigenen Traktoren und Maschinen von Zuhause aus mithelfen müssen. Deswegen ist der erste Schnitt eigentlich immer die stressigste Zeit im Jahr.

Wie organisierst du das mit deinen Aufgaben auf deinem eigenen Betrieb?

Die Kühe sind bereits auf der etwa 11 ha großen Weide, der Stall ist also fast leer. Um das Vieh kümmert sich mein Vater, um den Rest wie zum Beispiel Silage, Gülleausbringung und Maissaat kümmere ich mich nebenbei. Normalerweise findet sich immer mal wieder ein freier Nachmittag, wo ich das gut unterbringen kann.

Du hattest diesmal auch einen 6250R mit dem neuen CommandPRO zum testen. Wie hast du ihn eingesetzt und wie waren deine Erfahrungen?

Richtig, unser Händler, die Firma Thurnbauer hat mir heuer beim Mähen die Maschine einige Tage zum Testen überlassen. Für mich eine Premiere! Ich habe lange auf eine Lösung gewartet, wo man die Bedienung des Getriebes zusammen mit anderen Schlepperfunktionen auf einem Joystick kombinieren kann. Am Schmetterling konnte ich bereits erste positive Erfahrungen mit dem Fahrhebel sammeln. Was ich allerdings in naher Zukunft noch testen will, ist die Zusammenarbeit Schlepper – Anbaugerät über Isobus. Deshalb möchte ich am zweiten Schnitt mal unseren Ladewagen am 6250R fahren.

Danke für das Interview, Christoph, und weiter alles Gute für dich.